Anti-Stress-Initiative der IG Metall

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17.02.2012 Stress kostet Geld. Erschöpfung, Depression, Burnout. Die IG Metall drängt auf eine verbindliche Verordnung zum Schutz vor psychischen Gefährdungen.

Stress kostet Geld

Gesundheitsstörungen wie Erschöpfung, Depression und Burnout nehmen deutlich zu. Die Kosten für diese stressbedingten Erkrankungen sind enorm und müssen von der Gemeinschaft getragen werden. Auch deshalb: Die IG Metall drängt auf eine verbindliche Verordnung zum Schutz vor psychischen Gefährdungen.

Welche Kosten verursachen psychische Belastungen? Wieviel kann man davon auf Stress bei der Arbeit zurückführen? Und lohnt sich überhaupt Stress-Prävention im Betrieb? Um diese Fragen zu beantworten, hat die Hans-Böckler-Stiftung zwei Wissenschaftler beauftragt, Zahlen und Fakten zusammenzutragen und auszuwerten.

Psychische Störungen kosten 28 Milliarden im Jahr

Jedes Jahr ermittelt das Statistische Bundesamt die Krankheitskosten. Für 2008 waren das zum Beispiel 254 Milliarden Euro. Über elf Prozent davon - nämlich 28,6 Milliarden Euro - fielen auf psychische Störungen. Darin enthalten sind Medikamente, Therapien, stationäre Aufenthalte und vieles mehr. Und auch die anteiligen Kosten der Verwaltung gehören dazu. Zusammen sind das die sogenannten direkten Kosten. Zum Vergleich: Kostenintensiver sind lediglich Herz-Kreislauf- und Magen-Darm-Erkrankungen.

Zu den direkten Kosten kommen aber auch noch indirekte Kosten hinzu: Dabei betrachtet man die verlorenen Erwerbsjahre. Das sind im Jahr etwa 763 000 Jahre aufgrund psychischer Störungen! Die Produktionsausfallkosten und die verlorene Bruttowertschöpfung steuern noch einmal 26 Milliarden bzw. 45 Milliarden Euro zu der Rechnung bei. Und man darf nicht vergessen: Depressionen und ähnliche Diagnosen nehmen seit 10 Jahren stetig zu.

Stellt sich die Frage: Wie ist der Zusammenhang zwischen psychischen Störungen und der Arbeitswelt?

Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz

Um herauszufinden, wieviel "Ursache Arbeit" hinter einem Krankheitsbild steckt, haben Experten die "attributiven Risiken" definiert. Diese geben an, welcher Anteil der Krankheit vermieden werden könnte, wenn die Belastung bei der Arbeit nicht vorhanden wäre. Mit dieser Rechengröße und den realen Krankheitskosten lässt sich ausrechnen, was krankmachende Arbeitsbedingungen für Kosten verursachen, also die "Kosten der arbeitsbedingten psychischen Störungen". Und das sind jährlich etwa 6,6 Milliarden Euro. Zusammenfassend kann man festhalten: Diese Summe belastet unser Sozialversicherungssystem, obwohl gegen die Ursachen am Arbeitsplatz etwas getan werden könnte. Hinzu kommen übrigens noch weitere 300 Millionen Euro: Denn wer länger als sechs Wochen krank ist, und das ist bei psychischen Problemen häufig der Fall, bekommt Krankengeld von der Krankenkasse statt Geld vom Arbeitgeber. Die Rentenversicherung springt zudem ein, wenn es aufgrund psychischer Arbeitsunfähigkeit zur Frühberentung kommt. Und Einnahmen in die Rentenversicherung fallen auch weg. Dies sind noch einmal 490 Millionen Euro.

Stresskosten eindämmen

Dass Präventionsmaßnahmen einen ökonomischen Nutzen haben, ist belegt. Die Arbeitsschutzmaßnahmen sowie die betriebliche Gesundheitsförderung verringert nachweislich Fehltage und Krankheitskosten. Und auch die spezifische Prävention psychischer Erkrankungen ist sinnvoll: Alle bisherigen Studien kommen zu dem Ergebnis, dass sich derartige Investitionen lohnen.

Für die IG Metall und die Betriebsräte ist längst klar: Gegen arbeitsbedingten Stress muss dringend etwas getan werden. Spätestens seit der Wirtschaftskrise haben sich Stress, Zeit- und Termindruck sowie die Verantwortung an den Arbeitsplätzen noch einmal verschärft.

Betriebliche Maßnahmen wie Präventionsprogramme sind ein wichtiger Baustein. Die IG Metall drängt aber darüber hinaus auf verbindliche Regeln, die im Betrieb für mehr Klarheit sorgen. Im Rahmen des Arbeitsschutzgesetzes schlägt sie vor, eine Verordnung zum Schutz vor psychischen Gefährdungen zu entwickeln. Kurz: Die Anti-Stress-Verordnung.

Nur mit dieser kann bundesweit wirklich effektiv etwas gegen Stress und Überbelastung erreicht werden, und nur mit dieser werden psychische Gefährdungen den körperlichen gleichgestellt, was längst überfällig ist. Die IG Metall hat bei diesem Anliegen also sowohl die Gesundheit der Mitarbeiter als auch die die volkswirtschaftlichen Kosten im Blick.

Letzte Änderung: 11.02.2012